Ein Leben lang Single zu bleiben bedeutet nicht unbedingt, in der Liebe gescheitert zu sein: 5 Merkmale treten bei diesen Menschen häufig auf
Eine Studie stellt gängige Vorstellungen über lebenslange Singles auf den Kopf. Sagen diese Merkmale wirklich alles aus? Nicht so schnell.
In Frankreich ist das Single-Dasein nicht mehr die Ausnahme, sondern für viele Realität. Nach den neuesten Daten des INSEE gab es im Land im Jahr 2023 rund 18 Millionen Singles – fast ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Unter ihnen zieht eine Gruppe die Aufmerksamkeit der Forschenden auf sich: lebenslange Singles, also Menschen, die noch nie eine ernsthafte oder dauerhafte Liebesbeziehung erlebt haben. Wer sind sie wirklich? Was unterscheidet sie von anderen? Eine Ende 2024 in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlichte Studie liefert dazu einige Antworten.
Gemeinsame Merkmale lebenslanger Singles
Eine Studie von Julia Stern, Forscherin an der Universität Bremen in Deutschland, untersuchte Persönlichkeitsmerkmale und Lebenszufriedenheit von mehr als 77.000 Europäerinnen und Europäern ab 50 Jahren. Es handelte sich um die erste groß angelegte Studie, die lebenslange Singles in mehreren Kulturen betrachtete. Die Forschenden verglichen diese Profile mit denen von Menschen, die in einer Partnerschaft gelebt hatten (verheiratet oder nicht), und stützten sich dabei auf das Modell der „Big Five“, der fünf großen Persönlichkeitsdimensionen, die in der modernen Psychologie anerkannt sind.
Fazit? Die Ergebnisse zeigen, dass lebenslange Singles im Durchschnitt weniger extravertiert, weniger gewissenhaft und weniger offen für neue Erfahrungen sind. Fünf Merkmale stechen besonders hervor, wie das Medium TopSanté betont: Introversion, ein geringes Maß an Gewissenhaftigkeit (also die Fähigkeit, sich zu organisieren, dranzubleiben und Verpflichtungen einzuhalten), eine geringere Offenheit für Erfahrungen, eine stärkere Empfindlichkeit gegenüber negativen Emotionen und eine insgesamt niedrigere Lebenszufriedenheit. Diese Unterschiede seien laut den Autorinnen und Autoren ausgeprägter bei Menschen, die überhaupt nie eine Beziehung hatten, als bei jenen, die lediglich nie zusammengewohnt oder nie geheiratet haben.
Daten mit Vorsicht interpretieren
Die brennende Frage: Verursachen diese Persönlichkeitsmerkmale das Single-Dasein? Die Studie erlaubt keine endgültige Entscheidung, doch die Hinweise sprechen eher für das, was die Forschenden „Selektionseffekte“ nennen: Demnach wären es Menschen mit bestimmten Merkmalen, die schwerer in Beziehungen kommen – und nicht das Fehlen einer Beziehung, das die Persönlichkeit tiefgreifend verändert. Eine extravertierte Person, die eine Beziehung eingeht, kann vorübergehend Abende zu zweit bevorzugen, doch ihre Extraversion kehrt zurück. Somit würde eher die Persönlichkeit den Liebesweg prägen als umgekehrt.
Vorsicht, eine statistische Korrelation nicht in ein Schicksal zu verwandeln. Die Autorinnen und Autoren selbst betonen, dass sich ihre Ergebnisse vor allem auf Europäerinnen und Europäer über 50 Jahre beziehen und nicht unbedingt auf jüngere Bevölkerungsgruppen oder andere Kulturen übertragbar sind. Diese Merkmale beschreiben Durchschnittswerte, keine universellen Profile. Kopf hoch, ihr Introvertierten! Was diese Studie vor allem zeigt, ist die Notwendigkeit, diejenigen besser zu begleiten, für die dieses Single-Dasein mit Isolation einhergeht – insbesondere im Alter.
In Kürze
- 2023 zählte Frankreich 18 Millionen Singles, darunter viele, die nie eine ernsthafte Liebesbeziehung hatten.
- Die Studie von Julia Stern zeigt, dass lebenslange Singles häufig weniger extravertiert und weniger offen für neue Erfahrungen sind.
- Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen das Single-Dasein, bestimmen jedoch nicht das Liebesschicksal – insbesondere bei Europäerinnen und Europäern über 50.
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