Laut Psychologie haben Kolleg:innen, die mittags aus freien Stücken allein essen, oft eine wenig bekannte psychologische Gemeinsamkeit

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Laut Psychologie haben Kolleg:innen, die mittags aus freien Stücken allein essen, oft eine wenig bekannte psychologische Gemeinsamkeit

Ohne Kolleg:innen zu essen ist kein Zeichen von Bitterkeit oder schlechter Stimmung, sondern der Beweis, dass man seine Bedürfnisse gut kennt! Erklärungen.

In der Kantine liegt ein Buch neben dem Tablett. Im Büro ein Sandwich vor dem Fenster. Diese Kolleg:innen, die sich mittags davonstehlen, fallen auf – manchmal werden sie sogar des „schlechten Geistes“ bezichtigt. Doch wenn die Einsamkeit gewählt ist, erzählt sie selten von Rückzug. Sie zeigt vielmehr die Fähigkeit, zu erkennen, was man braucht, um durch den Tag zu kommen.

Die eigenen Grenzen zwischen Beruf und Privatleben kennen

Eine echte Pause zu machen heißt, alles verstanden zu haben. Eine Längsschnittstudie begleitete 841 finnische Beschäftigte aus 11 Organisationen. Die Forschenden stellten fest, dass diejenigen, denen es gelang, sich während der Mittagspause zu erholen, ein Jahr später weniger Erschöpfung und mehr Energie zeigten. Zwei Zutaten waren besonders wichtig: mental von der Arbeit abzuschalten und die Kontrolle über die eigene Pause zu behalten. Das Mittagessen ist also keineswegs eine tote Zeit. Es ist ein Instrument zur Selbstregulation – vorausgesetzt, man weiß, wie man es nutzt. Die Ergebnisse sind im Scandinavian Journal of Work and Organizational Psychology ausführlich dargestellt.

Es gut zu nutzen bedeutet nicht unbedingt, sich zu umgeben. 2014 zeigten John Trougakos und sein Team im Academy of Management Journal, dass die Wirkung jeder Aktivität auf die Müdigkeit am Tagesende vom Grad der Wahlfreiheit abhängt, der sie begleitet. Soziale oder berufliche Aktivitäten verringern langfristig die Müdigkeit, wenn man sie frei wählt, erhöhen sie aber, wenn man sie über sich ergehen lassen muss. Der Kollege oder die Kollegin, die das Team-Mittagessen ausschlägt, flieht also nicht unbedingt vor den anderen. Er oder sie schützt die Grenze zwischen den eigenen Ressourcen und den Erwartungen des Umfelds.

Eine Einsamkeit, die beruhigt, statt zu isolieren

Was passiert emotional, wenn man allein ist? Forschende der University of Rochester beobachteten, dass Einsamkeit intensive Emotionen senkt – positive wie negative. Dieser Effekt tritt auf, wenn die Person allein ist, aber nicht, wenn sie mit jemandem zusammen ist. Er hängt auch nicht davon ab, was man in dieser Zeit tut, etwa lesen. Diese im Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlichte Studie beschreibt Einsamkeit als einen Weg, wieder zur Ruhe zu kommen.

Diese Alleinesser:innen stehen daher eher für eine gute Selbstkenntnis als für den Wunsch, Kolleg:innen zu schmollen. Alleinesser:innen wissen, wann sie ihre Batterien aufladen müssen, und trauen sich, es zu tun – ohne sich zu rechtfertigen. Eine Präzisierung ist allerdings nötig: Diese Arbeiten beziehen sich nicht ausschließlich auf Menschen, die allein essen. Sie beleuchten vor allem die Rolle der Wahlfreiheit, denn aufgezwungene Einsamkeit ist eine ganz andere Geschichte. Wenn ein:e Kolleg:in sich gegen seinen oder ihren Willen zu isolieren scheint, sollte man besser die Hand ausstrecken. Wenn er oder sie die Solo-Pause hingegen genießt, gibt es wahrscheinlich nichts zu reparieren.

In Kürze

  • Eine finnische Studie begleitete 841 Beschäftigte, um die Auswirkungen von Mittagspausen auf berufliche Erschöpfung zu analysieren.
  • Wirksame Mittagspausen erfordern, mental abzuschalten und die Kontrolle zu behalten, um die Müdigkeit zu reduzieren.
  • Sich für das Alleinsein beim Mittagessen zu entscheiden, kann dem emotionalen Wohlbefinden und dem Stressmanagement bei der Arbeit zugutekommen.