Menschen, die keine Umarmungen mögen, sind nicht weniger liebevoll: Psychologen erklären, was dieses Verhalten wirklich verbirgt

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Menschen, die keine Umarmungen mögen, sind nicht weniger liebevoll: Psychologen erklären, was dieses Verhalten wirklich verbirgt

Einige Menschen lieben Umarmungen und zärtliche Gesten, andere vermeiden sie so weit wie möglich. Anders als allgemein angenommen, ist diese Ablehnung weder ein Mangel an Zuneigung noch ein Zeichen von Kälte. Psychologen erklären, was hinter diesem Unterschied steckt.

Der Kuss wird oft als spontane, fast universelle Geste präsentiert. Er symbolisiert Liebe, Verlangen, Zärtlichkeit. Dennoch findet er nicht bei allen Anklang. Manche Menschen schätzen ihn wenig, vermeiden ihn oder erleben ihn als unangenehme Erfahrung. Diese Unterschiedlichkeit wirft Fragen zu unserer Beziehung zur Intimität auf. Denn, wie mehrere wissenschaftliche Arbeiten zeigen, mobilisiert der Kuss weit mehr als nur einen einfachen romantischen Impuls.

Der Kuss, ein wahrer Indikator der Bindung

Laut den Forschungen der Wissenschaftler Ruth M. Wlodarski und Robin I. M. Dunbar erfüllt der Kuss mehrere Funktionen in romantischen Beziehungen. In einer ersten Studie, die 2013 veröffentlicht wurde, zeigen sie, dass er insbesondere zur Beurteilung des Partners beiträgt, indem er oft unbewusste Hinweise auf dessen biologische, emotionale oder relationale Kompatibilität liefert.

Im Jahr darauf vertiefen die beiden Forscher diese Hypothese, indem sie zeigen, dass die Qualität eines Kusses die wahrgenommene Begehrlichkeit eines Partners verändern und den Verlauf einer Beziehung beeinflussen kann. Der Kuss erscheint somit als ein echtes Beziehungssignal, das eine Anziehung verstärken oder, im Gegenteil, zum Verschwinden bringen kann.

Was in unserem Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

Die Anthropologin Helen Fisher, Spezialistin für die Mechanismen der Liebe, erklärt, dass der Kuss gleichzeitig drei große Gehirnsysteme anspricht: sexuelles Verlangen, romantische Liebe und Bindung. Anders gesagt, diese Geste aktiviert mehrere emotionale Schaltkreise, die zur Schaffung und Aufrechterhaltung der romantischen Bindung beitragen.

Die Arbeiten der Neurowissenschaftlerin Wendy Hill ergänzen diese biologische Betrachtung. Bei der Untersuchung von Paaren beobachtete sie, dass ein verlängerter Kuss von Veränderungen zweier Schlüsselhormone begleitet wird: einer Erhöhung des Oxytocinspiegels, der oft mit dem Bindungsgefühl assoziiert wird, und einer Senkung des Cortisolspiegels, des Stresshormons. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Kuss dazu beitragen kann, das Sicherheitsgefühl und die emotionale Nähe zwischen Partnern zu stärken.

Warum mögen manche Menschen nicht küssen?

Dennoch bedeuten diese Mechanismen nicht, dass jeder den Kuss auf dieselbe Weise erlebt. Nicht gerne zu küssen, ist weder ein Zeichen von emotionaler Kälte noch eine Unfähigkeit zu lieben. Forschungen über den affektiven Kontakt und die neurobiologischen Grundlagen der Intimität zeigen, dass die Art und Weise, wie wir physischen Kontakt wahrnehmen, von vielen Faktoren abhängt: unserer persönlichen Geschichte, unserer sensorischen Sensibilität, unseren vergangenen Erfahrungen, dem Maß an Vertrauen gegenüber dem anderen oder auch unserer Beziehung zur Intimität.

Bei manchen Menschen schenkt ein Kuss ein tiefes Gefühl von Trost. Bei anderen kann er als Eindringen, sensorische Überlastung oder einfach als Geste empfunden werden, die nicht ihrer Art entspricht, Zuneigung auszudrücken. Diese Vielfalt erinnert daran, dass Intimität nicht nach einem einzigen Modell ausgedrückt wird. Die Ausdrucksformen der Liebe variieren von Person zu Person, ebenso wie die Bedürfnisse nach körperlicher Nähe.

Eine intime, aber keine universelle Sprache

Die Wissenschaft fordert schließlich auf, verbreitete Ansichten zu hinterfragen. Der Kuss ist weder ein universeller Reflex noch ein absoluter Liebesbeweis. Er ist vor allem eine Beziehungssprache, deren Bedeutung von der Geschichte, dem Körper und der Sensibilität eines jeden abhängt.

Ob er die Bindung fördern, das Verlangen verstärken oder den Stress lindern kann, er kann auch keinerlei besondere Emotionen hervorrufen oder sogar Unwohlsein auslösen. Und genau das macht ihn zu einer so aufschlussreichen Geste: nicht weil er für alle Beziehungen unverzichtbar ist, sondern weil er auf seine Weise erzählt, wie wir einzigartig lieben, uns schützen und uns nähern lassen.