Menschen, die ihre alten Handys behalten, sind nicht immer nostalgisch: Die Psychologie erklärt, was hinter dieser Bindung steckt

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Menschen, die ihre alten Handys behalten, sind nicht immer nostalgisch: Die Psychologie erklärt, was hinter dieser Bindung steckt

Ein altes Smartphone, das vergessen in der Schublade liegt, erzählt nicht immer eine schöne Geschichte voller Erinnerungen. Forschenden zufolge spiegelt es eher ein Bedürfnis nach Trost wider – verbunden mit einem ausgeprägten Sparreflex.

Haben Sie auch ein altes Handy, das irgendwo vor sich hin schlummert, das Ladegerät darum gewickelt, der Akku leer? Wenn Sie sich schon einmal gesagt haben: „Ich behalte es wegen der Fotos„, dann reicht die Erklärung vermutlich weiter. Hinter dieser Schublade, die sich nie wirklich leert, verbergen sich zwei Mechanismen: ein Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit und ein ausgeprägter Sinn für Sparsamkeit. Daran ist nichts Beschämendes – und es gibt sogar ein paar Ansätze, um endlich auszumisten.

Das Handy als „Kuscheltier“ – für alle Fälle

Was, wenn dieses Gerät die Rolle eines beruhigenden Gegenstands spielt? Das ist die Hypothese von Lucas Keefer und seinen Kolleginnen und Kollegen in einer Studie, die 2012 im Journal of Experimental Social Psychology veröffentlicht wurde. Die Forschenden baten Teilnehmende, an wenig verlässliche nahestehende Personen oder an einfache Unbekannte zu denken. Diejenigen, die über die Instabilität ihrer Nahestehenden grübelteten, berichteten anschließend von einer stärkeren Bindung an ihre Besitztümer. Bei Unbekannten änderte sich hingegen nichts. Mit anderen Worten: Wenn andere weniger verlässlich wirken, werden unsere Dinge zu einem kleinen Zufluchtsort.

Der Motor dieses Effekts hat einen Namen: Bindungsangst – die Sorge, dass andere im Bedarfsfall nicht da sind. In einem dritten Experiment nahmen die Forschenden den Teilnehmenden einen wertvollen Gegenstand weg. Wer an seinen Beziehungen zweifelte, empfand stärkere Trennungsangst und wollte ihn schneller zurückhaben. Wichtig: Die Studie bezieht sich nicht speziell auf Handys. Aber sie legt nahe, dass wir uns manchmal an einem Gegenstand aus der Vergangenheit festklammern, um einen stabilen Ankerpunkt wiederzufinden, statt aus reiner Nostalgie. Und das Smartphone erfüllt alle Kriterien: Man nimmt es überallhin mit, vertraut ihm Gespräche, Fotos und kleine Geheimnisse an.

Bindung und Sparsamkeit: das Duo, das Schubladen füllt

Die andere Erklärung ist nüchterner. Ein Team der Monash University (Australien) unter der Leitung von Dayna Simpson befragte 650 Konsumentinnen und Konsumenten in drei Studien, die im Journal of Operations Management veröffentlicht wurden. Es identifiziert zwei Tendenzen, die dazu führen, dass ungenutzte Elektronikgeräte zu Hause aufbewahrt werden: persönliche Bindung und Sparsamkeit. Übersetzt: „Das kann man vielleicht noch brauchen“ und „Das hat mich viel gekostet„. Ein Gerät, das noch funktioniert, wirft man nur schwer weg: Man sagt sich, dass es eines Tages aushelfen könnte.

Gute Nachricht: Diese Hürden sind nicht in Stein gemeißelt. Die Teilnehmenden trennten sich leichter von einem Gerät, wenn sie es selten nutzten oder wenn man ihnen versprach, dass eine Organisation es wiederverwenden würde. Für Ihre Schublade ist die Botschaft klar: Sichern Sie Ihre Fotos, löschen Sie Ihre Daten und schenken Sie diesem Handy dann ein zweites Leben. Sie müssen nicht alles auf einmal ausmisten: Beginnen Sie mit nur einem Gerät. Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken – und Ihre Schublade auch!