Diese Mikrogewohnheiten beruhigen wirklich das Nervensystem, laut Dr. Jérôme Palazzolo
Wie schafft man es, sein Nervensystem zu beruhigen, um Gelassenheit und Erfüllung zu gewährleisten? Hier ist das Geheimnis eines Psychiaters und Forschers.
Angst, Stress, mentale Überlastung… Mit dem Rhythmus des Alltags lassen Sie sich manchmal von Ihren Emotionen überwältigen und wissen nicht, wie Sie sie bewältigen sollen? Laut Dr. Jérôme Palazzolo, einem Psychiater, Psychotherapeuten, aber auch Forscher und Universitätsprofessor für klinische und medizinische Psychologie, gibt es effektive Möglichkeiten, um sein Nervensystem zu beruhigen und fast augenblicklich Gelassenheit zu gewährleisten. Zunächst ist es wichtig, daran zu erinnern, dass das Nervensystem unser Befehlszentrum ist.
Was ist das Nervensystem?
Wie der Spezialist erklärt, empfängt es Informationen aus unserer Umgebung, analysiert sie und entscheidet über die am besten geeignete Reaktion: „Ein Teil dieses Systems arbeitet automatisch: Es ist das autonome Nervensystem, das den Herzrhythmus, die Atmung, die Verdauung oder auch den Blutdruck reguliert.“
Wenn man also davon spricht, das „Nervensystem zu beruhigen“, bedeutet das nicht, es zu verlangsamen oder zu betäuben, sondern vielmehr, ihm zu helfen, ein Gleichgewicht angesichts der vielen Anforderungen des Alltags (Arbeitsbelastung, ständige Benachrichtigungen, diverse Sorgen, Schlafmangel) wiederzufinden: „Unser Organismus kann in einem „Alarmzustand“ verbleiben, als ob ständig eine Gefahr vorhanden wäre.“ Laut dem Experten besteht das Ziel darin, die Rückkehr in einen Zustand der Sicherheit zu fördern, in dem Körper und Gehirn sich erholen können.
Die Anzeichen dafür, dass der Körper im Alarmzustand ist
Wenn unser Körper gestresst und somit im Alarmzustand ist, aktiviert das Gehirn eine Alarmphase: „In wenigen Sekundenbruchteilen tritt das sympathische Nervensystem in Aktion: Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird schneller, die Muskeln spannen sich an, die Pupillen weiten sich und Hormone wie Adrenalin und dann Cortisol werden freigesetzt“, erklärt der Forscher. Diese Reaktion ist äußerst nützlich, wenn es darum geht, einer echten Gefahr zu begegnen. Problem: Wenn dieser Alarmzustand chronisch wird, kann sich der Körper nie richtig erholen. Der Arzt erklärt:
Unser Organismus wird dann ständig beansprucht, ohne Zeit zu haben, sich zu erholen. Es ist ein bisschen so, als würde ein Auto im Leerlauf mit voller Geschwindigkeit laufen: Auf Dauer nutzt es sich ab.
Zu den zu erkennenden Signalen, die darauf hinweisen, dass das Nervensystem im Alarmzustand ist, gehören: ungewöhnliche Reizbarkeit, das Gefühl, ständig unter Druck zu stehen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, eine Müdigkeit, die trotz Ruhe nicht verschwindet, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder auch Verdauungsstörungen. Der Spezialist fügt hinzu, dass einige Menschen sehr emotional reaktiv werden: „Sie fühlen sich von eigentlich belanglosen Ereignissen überwältigt. Andere wiederum haben das Gefühl, „abgeschaltet“ zu sein, als ob sie im Autopilotmodus funktionieren.“ In diesen Situationen fällt es dem Nervensystem schwer, sein Gleichgewicht wiederzufinden. Aber wie kann man das Nervensystem effektiv beruhigen, und das in nur wenigen Sekunden?
3 Mikrogewohnheiten zur Regulierung des Nervensystems
Für den Experten gibt es drei Mikrogewohnheiten, die leicht umzusetzen sind und helfen, es zu regulieren:
- Das Ausatmen für eine Minute verlängern: „Die Atmung ist einer der wenigen automatischen Mechanismen, die wir freiwillig kontrollieren können. Indem man ein wenig länger ausatmet, als man einatmet (zum Beispiel vier Sekunden Einatmen und sechs Sekunden Ausatmen), sendet man dem Gehirn ein Sicherheits-Signal. Eine Minute reicht bereits aus, um das Spannungsniveau zu senken“, erklärt der Doktor.
- Sich echte Mikropausen gönnen: Der Spezialist empfiehlt, alle 60 bis 90 Minuten Pausen einzulegen. „Es ist vorteilhaft, den Bildschirm für zwei Minuten zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen, in die Ferne zu schauen oder einfach die Schultern zu dehnen.“ Das Ziel? Verhindern, dass das Gehirn stundenlang im Überwachungsmodus bleibt.
- Den Tag beginnen, ohne sein Telefon zu konsultieren: Auch wenn dies schwierig erscheinen mag, ist diese Gewohnheit gesundheitsfördernd. „Die ersten Minuten nach dem Aufwachen beeinflussen unseren physiologischen Zustand. Wenn man direkt in E-Mails, Nachrichten oder soziale Netzwerke eintaucht, aktiviert man sehr schnell den „Notfallmodus“.“ Die Lösung? Zehn bis fünfzehn Minuten warten, bevor man auf das Telefon schaut.
Indem man diese kleinen täglichen Gewohnheiten summiert, wird es einfacher, sein Nervensystem zu regulieren und sich beruhigt zu fühlen. Es sind oft die kleinen regelmäßigen Gesten, die große Veränderungen bewirken: „Ruhe bedeutet nicht die Abwesenheit von Stress, sondern die Fähigkeit, nach jedem Sturm sein Gleichgewicht wiederzufinden“, erinnert Dr. Jérôme Palazzolo.
In Kürze
- Was ist das Nervensystem? Laut Dr. Jérôme Palazzolo ist das Nervensystem unser Befehlszentrum.
- Für das Wohlbefinden ist es wichtig, es täglich zu regulieren, um Stress zu begrenzen.
- Es gibt drei effektive Mikrogewohnheiten: Atmen, Pausen machen, nicht direkt beim Aufwachen aufs Handy schauen.
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